Metrische Cocktails versus US- Cocktails

dadid123

aktives Mitglied
Welche Meinungen gibt es hier im Forum zu den unterschiedlichen Mischungsverhältnissen, die durch die Umrechnung von flüssigen Unzen in Zentiliter für einunddenselben Drink entstehen?

Beispiel Frisco Sour:
1/2 oz fresh lemon juice
1/4 oz fresh lime juice
3/4 oz. Benedictine
1 1/4 oz Bourbon Whiskey
1/4 tsp sugar

Bereits bei den Hauptbestandteilen Whiskey und Benedictine findet man in deutschen Rezepten das Mischungsverhältnis 2 : 1 (4 cl Whiskey und 2 cl Benedictine), was beim US- amerikanischen Rezept ca. 1,7 : 1 ergibt. Nicht gerade unerheblich was den Geschmack anbelangt. Egal, weil ein Rezept nur als Richtlinie verstanden sein will?
 
Ich finde, dass Einheiten für einen Cocktail irrelevant sind. Es hält sich gerne die These, dass diese ein Teil der (Trink)Kultur sind.
Ich denke, man muss den Cocktail verstehen, danach die Zutaten auswählen und daraus eine Balance herstellen.
Rezepte können immer nur eine Vorschlag oder eine Impression eines anderen darstellen, die man nutzen kann um sein eigenes Bild zu formen.
Daraus ergibt sich möglichst das eigene passende Rezept, was man als Gedächtnisstütze aufschreiben kann, aber auch dann muss man an Ort und Stelle probieren und eventuell korrigieren. Wenn man den Drink verstanden hat, kann man ihn inklusive aller Varianten mixen.
Es gibt nicht DAS Rezept. das ist auch nicht wichtig oder nötig.

Es gibt keine besseren oder schlechten Einheiten. Sie sind nur Mittel zum Zweck. Ich veröffentliche keine Rezepte mehr mit angelsäsischen Einheiten.
SI Einheiten wurden geschaffen um miteinander global zu kommunizieren. Kommunikation muss nicht unnötig erschwert werden.
 
Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin ein Verfechter der "Teile"- Nomenklatur, z.B. vier Teile Whiskey, zwei Teile Benedict ... und dann zur weiteren Verfeinerung, nachdem man den Drink - wie du bereits gesagt hast - verstanden hat, z.B. vier große oder kleine Teile Whiskey...
 
Mag ich überhaupt nicht, und zwar aus zwei Gründen:
  • Ich will nicht jedesmal überlegen müssen, wie groß ich den Cocktail jetzt mache.
    Kleinste Einheiten, wie Spritzer, Dashes etc. lassen sich nicht von der absoluten Mengenangabe lösen. Zu solchen Drinks ist die "Teile"- Nomenklatur inkompatibel.
Ich stelle mir gerade ein Old Fashioned Rezept vor:
450 Teile Bourbon
45 Teile Zucker (Würfel)
2 Teile Angostura
 
Das ist der Nachteil, die absolute Größe des Cocktails muss zusätzlich beschrieben werden und ergibt sich nicht automatsch aus der Addition der Rezeptzutaten. Die Spritzer, Prisen etc. sind ohnehin keine definierten Größen, bei einer kleineren Flaschenöffnung ist der Spritzer kleiner, bei dicken Zeigefingern und Daumen eine Prise entsprechend mehr.

Mir persönlich hilft das Teile- Denken sehr einen Drink zu verstehen und nach meinem Geschmack mit Gefühl zu optimieren.
 
Aber das sieht man doch auch, wenn man sich die Mengenangaben anschaut. Wenn ein Sour mit 5cl Whiskey, 2 cl Zuckersirup und 3cl Zitronensaft angegeben ist, weiß man, dass er zur Hälfte aus Whiskey besteht, und 1,5 mal so viel Zitronensaft wie Zucker enthält.
 
Ein sehr alter Barkeeper (Gott hab ihn selig) hat mir dazu folgendes gesagt:
"Ein Rezept ist immer nur die Interpretation einer Aromenkombination"
 
Ich habe mich zu dem Thema auch schon mal geäussert und zwar in diesem Thread hier:
www.cocktaildreams.de/forum/index.php?board=1;action=display;threadid=5411
 
Ich sag' mal zum angloamerikanischen Einheitensystem folgendes:

Jeder, der schon mal ein wissenschaftliches Buch in die Hand genommen hat und wirklich damit gearbeitet hat, wird merken, was für ein Segen ein einheitliches Einheitensystem wäre. Kultur hin oder her, aber die Einheiten sind von enormer Bedeutung für die Wissenschaft und diese sollte das erste sein, bei der eine Vereinheitlichung statt findet um die Kommunikation zu erleichtern.

Wir reden hier ja nicht von Vokabeln, bei denen man das Wort direkt übersetzen kann.
Wir reden hier von Umrechnungsfaktoren, die bei Oz->ml noch sehr einfach sind, aber merkt euch zum einen mal den Umrechnungsfaktor für Materialeigenschaften und fangt dann zusätzlich noch das Rechnen an. Es gibt schöneres.

Vielleicht ist es für den einen hier nur Bequemlichkeit, aber wenn ich in diesem Fall zwischen der Kultur und dem Fortschritt (nicht vielleicht so sehr in der Bar) entscheiden müsste, wäre es der Fortschritt.
 
Die Diskussion gibts noch! - Wie herrlich.
Habs nochmal durchgelesen und mich sehr amüsiert.

Es sind doch nur Einheiten ;D
 

Die Diskussion gibts noch! - Wie herrlich.
Habs nochmal durchgelesen und mich sehr amüsiert.

Es sind doch nur Einheiten ;D

Wie gesagt, in der Bar gebe ich dir Recht, nur leider zieht das weitere, unangenehmere Kreise ;D
 
In den naturwissenschaften wird man mit nicht metrischen Einheiten heute zu Recht ausgelacht und Verhätlnisse müssen viel genauer stimmen, aber auch da muss man verstehen was man tut. Sonst wirds nix.
 

Die Diskussion gibts noch! - Wie herrlich.
Habs nochmal durchgelesen und mich sehr amüsiert.

Es sind doch nur Einheiten ;D

Hab's auch gerade gelesen, Wahnsinn wieviel zu diesem Thema schon gesagt wurde, höchst interessant!

Vielleicht gehören die amerikanischen Einheiten eh bald der Vergangenheit an, denn: "America goes metric - inch by inch!!" ;)
 
Solange alte Barbücher wie blöd nachgedruckt werden, werden die nie verschwinden ;)
 
Ein Gedanke zur Ursprungsfrage:

Ich hatte letztens mal wieder Lust und Laune Cocktailvideos bei Youtube anzuschauen und bin mal wieder bei "David Wondrich: The Holland Gin Cocktail" gelandet.

Was macht er da eig. bzw. was ist da eig. zu sehen?

Sein Auftreten inkl. Kleidung mit vielen brauntönen (so viel kann man leider nicht erkennen), die dunkle Einrichtung, die schwachen Lichtverhältnisse.
Dazu kommt das rühren mit gestoßenem Eis in einem extrem alten (oder nach alten Vorbild hergestellten) Mixglas.
Dazu Zutaten wie sie früher gab.

Abgesehen von einem tollen Cocktail. Er verkörpert neben der Faszination des Drinks viel mehr die Faszination nach Authentizität - Alles wie vor 150 Jahren.

Es entspricht sicher keiner Vernunft dem Genuss gegenüber den Drink mit gestoßenem Eis zu rühren, da muss so viel Eisstaub dabei sein, so schnell rühren und probieren kann er gar nicht bis dieser verwässert (und so viel Schmelzwasser braucht der Cocktail nicht, ich hab den selbst schon gemixt). Das ist Wondrich sicher bewusst und trotzdem macht er es aus voller Überzeugung.

Ich denke, man muss sich an der Stelle entscheiden.

Was will man?
Authentizität so weit es geht? Dann bitte auch keine SI Einheiten. Shots, tins, wineglasses, ounces,...im Bedarfsfall...

Interessiert einen rein das Mixen von einem Genussgetränk, dann braucht man keinen angelsächsischen Einheiten.

Bis zu einem gewissen Grad ist beides KEIN Widerspruch und wertend ist es auch nicht gemeint. Aber es ist nicht vollständig kompatibel.
 
Was will man?
Authentizität so weit es geht? Dann bitte auch keine SI Einheiten. Shots, tins, wineglasses, ounces,...im Bedarfsfall...

Interessiert einen rein das Mixen von einem Genussgetränk, dann braucht man keinen angelsächsischen Einheiten.

Danke! Mehr Mut zum sprichwörtlichen Bauchgefühl (egal ob dieser Bauch von angelsächsichen Pints of Ale oder metrischen Halben Bier entstanden ist)! Klar, zum Nachmixen eines bestimmten Drinks braucht man eine Anleitung (= Rezept) mit möglichst präzisen Angaben hinsichtlich Menge, Temperatur, etc ...

Gilt für einen Cocktail letztendlich nicht dasselbe wie für einen Wein, der im Urlaub in der Toscana einzigartig gut schmeckt, die gleiche Flasche zuhause, ... na ja?
 

braucht man eine Anleitung (= Rezept) mit möglichst präzisen Angaben hinsichtlich Menge, Temperatur, etc ...
[/quote]

Kommt auf die eigene Erahrung und den Drink an...das perfekte Rezept gibt es nicht, aber es hilft am Anfang sehr viele Detailinformationen zu haben, aber wirklich brauch man sie nicht.

Gilt für einen Cocktail letztendlich nicht dasselbe wie für einen Wein, der im Urlaub in der Toscana einzigartig gut schmeckt, die gleiche Flasche zuhause, ... na ja?

Das Thema hatten wir hier schon mal...ich denke, die Atmosphäre trägt einen wichtigen Teil dazu bei.
Geschmack ist immer subjektiv.
 

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