Welchen Drink zum Einstieg?

Old Sour

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Nach all den schweren, cremigen Eggnoggs und dem gewürzten Überfluss des Dezembers sehnt sich der Gaumen im Januar nach Klarheit. Die Zeit der "flüssigen Mahlzeiten" ist vorbei; wir suchen wieder die Präzision. Doch womit beginnt man einen Abend, der Qualität verspricht?

Viele greifen instinktiv zum Negroni. Er ist ein Statement. Doch sein Nachteil ist die unmittelbare, massige Bitterkeit. Sie besetzt den Gaumen so dominant, dass feinere Nuancen späterer Drinks oft nur noch als Schatten wahrgenommen werden, ähnlich bei Bier.

Andere wählen einen Daiquiri. Das ist ein kluger Schachzug. Er ist der ultimative Prüfstein: An ihm erkennst du sofort, ob die Person hinter dem Tresen ihr Handwerk versteht. Die Balance zwischen Rum, der Schärfe der Limette und der Sanftheit des Zuckers verzeiht nichts. Ein Daiquiri ist stark, ja – aber er zeigt auch alles.

Meine eigentliche Empfehlung für den perfekten Start ist jedoch der Bamboo und/oder der Adonis. Bestehend aus trockenem Sherry und weissem oder rotem Wermut ist er die Inkarnation von Eleganz. Er ist komplex, aber nicht kompliziert; trocken, fein-würzig und durch den geringeren Alkoholgehalt ein sanfter Handschlag zur Begrüssung der Nacht. Man schärft die Sinne, statt sie zu betäuben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Für mich ist der Einstieg weniger eine Stilfrage als eine Frage der Belastung für den Gaumen. Gerade im Januar starte ich gern bewusst zurückhaltend, auch wenn es manche nicht hören wollen, manchmal auch komplett alkoholfrei. Ein gut gemachter leichter Aperitif oder ein sehr trockener Highball funktioniert für mich besser als ein klassischer „Statement-Drink“ wie du schon sagst. 👍


Wenn Alkohol dabei ist, greife ich zum Einstieg eher zu etwas wie einem sehr trockenen Martini (5:1 oder noch schlanker), einem Sherry & Tonic oder einem leichten Americano. Negroni oder Daiquiri hebe ich mir lieber für später auf, wenn der Gaumen schon wach ist im Frühling mit steigenden Temperaturen :)
 
Ein Martini zum Einstieg? Oh là là, das ist mal eine Ansage! Maximale Präzision, eiskalt und vollkommen ungeschminkt. Ein echter Reset-Knopf für den Gaumen.

Ein Americano ist die wohl klügste Art, sich an die Bitterkeit heranzutasten, ohne direkt die volle Wucht eines Negroni zu kassieren. Er lässt dem Abend einfach mehr Raum zum Atmen.

Spannend ist ja, wie wir diesen Monat das Wort „Dry“ dehnen. Ich bin dieses Jahr ganz brav beim klassischen Dry January (also die „harten“ alkoholfreien vier bis fünf Wochen) gelandet, aber ich bewundere die kreative Energie, mit der das Prinzip uminterpretiert wird. Da gibt es die Fraktion „Dry Cocktail January“, die glaubt, solange kein Zuckersirup im Glas ist, zählt es als Fastenzeit. Und die „Dry Ginuary“-Jünger, die wahrscheinlich denken, dass ein London Dry Gin quasi ein homöopathisches Desinfektionsmittel für die Seele ist...
:)

Aber wenn wir schon beim Martini als Starter sind, stellt sich mir natürlich die obligate Glaubensfrage: Wie sieht dein persönliches Protokoll für den perfekten Martini aus? Gin oder Wodka? Mit Olive oder Zitrone? Und vor allem: Wer ist dein Favorit beim Gin?
 
Für mich ist die Basis klar "Gin". Für mich ist Wodka dafür zu eindimensional. Als Reset-Knopf zum Start brauche ich die Struktur der gut gewählten Botanicals. Ein Wodka-Martini kann auch elegant sein, aber mir persönlich fehlt da die aromatische Tiefe und den Geschmack eines Gins würde ich immer bevorzugen.


Beim Gin greife ich zum Einstieg meist zu Tanqueray No. Ten, die frischen Zitrusnoten geben genau diese Klarheit. Wenn ich es etwas weicher mag, ist Plymouth für mich eine sehr schöne Alternative mit mehr Rundung. Was empfielhst du mir?


Vom Verhältnis her bleibe ich bei 5:1. Beim Wermut bevorzuge ich Dolin Dry,subtiler als Noilly Prat und lässt dem Gin mehr Raum in diesem fall. 😅


Und bei der Garnitur meist Zitrone. Gerade am Anfang will ich Frische, keine Salzlake. Ein kurzer Twist über dem Glas reicht völlig. Und eine schöne Zeste als Garnishh 😇
 
Tanqueray Ten und Dolin Dry – das ist wahre Präzision. Dass du mich nach einer Empfehlung fragst, während ich hier bei stillem Wasser und Zwieback meinen Dry January absitze... ;)

Spannend, dass du den Dolin Dry wählst. Ich persönlich habe eine Schwäche für den Dolin Blanc. Er bringt für mich diese ganz feine, unterschwellige Süsse und eine leichte ölige Textur mit, die in Kombination mit der Kälte des Drinks eine fast schon magische Tiefe entwickelt.

Mein ganz persönliches Ritual ist der „Mid-Martini“ am Mittwoch. Ich bereite ihn immer als Pre-Batch vor, und zwar immer exakt für zwei Martinis. Der Schöne dabei ist der Variantenreichtum: Bei jedem neuen Batch verändere ich genau eine Zutat – mal ist es ein anderer Gin, mal ein anderes Mischverhältnis oder eben ein Wechsel beim Wermut. So taste ich mich schrittweise an die (für den Moment) perfekte Version heran. Momentan bin ich bei 50/50 Tanqueray Ten und London Dry, Noilly Prat und ein Barlöffel Chatreuse grün, Fee Brothers Orange Bitters, Saline. Ich notiere mir immer alles ganz genau. Nicht, dass ich versehentlich einmal einen Batch wiederhole, das geht ja gar nicht :)

Warum ich ein Verfechter der Pre-Batch-Methode bin und warum das für mich technisch das nächste Level ist, habe ich hier aufgeschrieben:

https://www.cocktailforum.de/thema/martini-dry-cockail-als-pre-batch.9381/

Da das Wasser dank des Gins nur teilweise gefriert, liefert das diese unvergleichliche, viskose Textur. Wenn diese ölige Kälte dann die Zunge berührt – viel mehr geht nicht!
 

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