Take a Flight - ein Gastbeitrag von Peter Eichhorn

talex

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Take a Flight
ein Gastbeitrag von Peter Eichhorn

„Nimm den Flug!“ Ja, genau. Am besten gleich den na?chsten Flug nach New York, und dann ab zur Happy Hour, an den Bartresen zum na?chsten Flight.

Besonders in New York fiel mir zuletzt eine Position auf den Bar-Karten auf, die ich in Deutschland bislang leider ganz selten erlebt habe: Den Flight, ein kleines Verkostungs-Menu? nach einem bestimmten Thema, sei es mit Cocktails oder auch mit puren Spirituosen. Das Konzept finde ich aus mehreren Gru?nden großartig: Zuna?chst hilft es dem Unentschlossenen, der sich zuna?chst nicht entscheiden mag, dabei, die Geschmacksknospen fu?r den weiteren getra?nketechnischen Verlauf des Abends zu erproben. Dann fo?rdert es die Kommunikation und bringt die Ga?ste dazu, u?ber die Getra?nke zu sprechen, manchmal sogar mit den Nachbartischen. Das Angebot, einmal direkt zu vergleichen und Unterschiede zu verkosten, wird gerne angenommen. Zumal der Preis fu?r den Flight in der Regel sehr freundlich kalkuliert wird.

Die „Flatiron Lounge“ in Midtown entwarf ein scho?nes kleines Mini-Tablett mit speziellen Mulden fu?r die Gla?ser, in dem dann der „Flight of the Week“ an den Tisch kommt, was auch optisch den Genuss erga?nzt. Das Motto fu?r den Flight war der Tequila, in drei Cocktails verpackt, mit Rezepturen von klassisch bis innovativ.

Die Drinks sind dann von der Portion her kleiner. Der Flight entsprach mengenma?ßig zumeist ein bis eineinhalb Cocktails, so dass er als Einstieg funktionierte und nicht die Ga?ste danach bereits benebelt wieder der Schanksta?tte entfleuchten. Frei nach den Worten des Schriftstellers und Pulitzer-Preistra?gers James Agee, der z.B. „The African Queen“ verfasste: „Nach einem Drink ist es sehr schwer, nicht einen weiteren Drink zu nehmen; und nach dreien ist es noch viel schwieriger, nicht noch drei weitere zu nehmen.“

Ich habe die verschiedensten Flights kenne lernen du?rfen. Als „Flight of the week“, „Flight of the day“oder, noch scho?ner: „Flight of the night“. Manchmal mit verschiedenen Drinks mit der gleichen Basis-Spirituose, oder mit diversen Varianten des gleichen Cocktails. So beispielsweise in einem relativ neuen Laden der New Yorker Bar Legende Sasha Petraske, der das Tiki-Thema in der „Painkiller“ Bar aufgreift. Trash, Burlesque und Street Art reichen sich die Gla?ser in diesem kuriosen Etablissement, das wenig mit seinen anderen Bars, wie „Milk & Honey“, „Little Branch“ oder „Dutch Kills“ gemein hat. (Seine Anteile an dem wundervollen „White Star“ hat Petraske u?brigens gerade abgegeben.)

Ein Tiki Bar schreit fo?rmlich nach dem Flight. Auch hier kam ein Tablett an den Tisch mit drei Variationen des Mai Tai. Faszinierend. Das o?ffnete die Augen fu?r die Vielfalt einer einzigen Basis-Rezeptur. Die Begeisterung, mit der die Ga?ste den Einsieg annahmen, um danach weitere der etlichen Mai Tai Interpretationen zu bestellen, war gefa?hrlich groß. Fu?r manche unter ihnen mag am na?chsten Morgen der „Painkiller“ zum „Painmaker“ mutiert sein...

Manche der Bars nutzten das Thema gleich fu?r ein wenig Geschichte und Geschichten, kreieren mit dem Getra?nk gleich ein wenig Aura dazu, indem sie u?ber den Flight ein Stu?ck wissenswerte Cocktail-Historie und Getra?nke-Anekdoten kommunizieren.
Fu?r die Pur-Spirituose bietet ein Flight natu?rlich ebenfalls die Einladung in ein Genuss- Spektrum, die mancher Gast gerne annehmen wu?rde, wenngleich er nicht selbst darauf ka?me, beispielsweise drei Tequilas zu bestellen. Single-Malt- und Rum-Connaisseure wu?rden einen interessanten puren Flight selbstversta?ndlich sicher gerne in Betracht ziehen; aber warum sollte der Flight nicht gleichsam eine Einladung an die Ga?ste darstellen, Flu?ssigkeiten zu probieren, deren spannende Bandbreite und Variantenreichtum man so noch nie wahr genommen hat: Drei Gla?ser aus der gleichen Tequila-Manufaktur mit einem Blanco, einen Reposado und einem Anejo. Oder drei Reposados zum Vergleich. Eine Kostprobe mit Absinth, mit Premium-Sake oder gar mit Mezcal. Warum zeigt man dem Gast nicht einmal, das Cachaca nicht nur „ das Zeug in meinem Caipirinha“ bedeuten muss?

Der Barkeeper sollte den Gast mit einem Angebot des „ Flight“ nicht erziehen wollen, aber bereichern und neugierig machen und neue Tu?ren o?ffnen. Manche Bars haben bereits gute Erfahrungen mit wechselnden Karten oder Monats-Specials. Großartiger Anfang! So funktioniert Kundenbindung und erwartungsfrohe Ga?ste werden regelma?ßig wiederkehren. Frei nach einem russischen Sprichwort: „ Die Kirche ist nah, aber die Straße ist vereist. Die Kneipe ist weit, aber ich kann ja vorsichtig gehen...“

Der Autor: Peter Eichhorn trinkt sich gerne um den Erdball, lebt und arbeitet aber als Autor, Vortragender und Stadtfu?hrer in Berlin, wo er die Vielfalt der Hauptstadt-Barszene allwo?chentlich erkundet, was in dem aktuellen Getra?nkefu?hrer „ Berlin schenkt ein“ (Grebennikov Verlag ISBN 978-3941784055) nachgelesen werden kann. Er moderiert Whisky-Verkostungen und unterstu?tzt das Team der Berliner „ Victoria“ Bar bei dem legenda?ren „ Wandertag der Schule der Trunkenheit“ (na?chster Termin: 1. Mai). Fu?r die feste Nahrung ist zudem „ Berlin beißt sich durch“ im gleichen Verlag erha?ltlich. Als Blogger sorgt er fu?r Futter fu?r kulinarische Leseratten als EichiBerlin unter „ http://eichiberlin.wordpress.com“ Sein Motto: Ich jogge nie, ich wu?rde sonst meinen Martini verschu?tten!
 

Arnachie

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Ja hört sich eigentlich gut an. Wie wärs, wenn man ein paar "Cocktail-Flight" Ideen hier sammelt.
Spontan fällt mir ein Gimlet Flight ein:
Gimlet, Richmond Gimlet und Ingwer-Orangen Gimlet
(glaube: 6 cl Gin, 4 cl Lime Juice, Ingwer, 3 gute Dashes Orange Bitters).

Was haltet ihr von
Daiquiri, Charles Daiquiri (ist schon sehr nahe am Orignal?) und dem Orange-Thyme Daiquiri aus dem Cocktailian? Habe letzteren aber noch nicht probiert. Gibt auch einen Frenche Daiquiri mit St.Germain, von dem ich aber eher enttäuscht war.
 

celery

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Morgen werde ich versuchen, in der Halbestadt einen Flight zu ordern, allerdings ohne darauf zu hoffen, dass er freundlich kalkuliert wird. Warum nicht Williams Brand als Thema, eine Marke in drei verschiedenen Drinks. Ich werde dann berichten.

cheers, herb
 

Tiefenrausch

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Morgen werde ich versuchen, in der Halbestadt einen Flight zu ordern, allerdings ohne darauf zu hoffen, dass er freundlich kalkuliert wird. Warum nicht Williams Brand als Thema, eine Marke in drei verschiedenen Drinks. Ich werde dann berichten.


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