Vesper Cocktail

meoled

aktives Mitglied
Hallo!

Ich wollte mal fragen, wie heute der Vesper Cocktail zubereitet wird. Der Kina Lillet wurde ja in den 80ern verändert. Auf Wikipedia steht, dass dafür LilletnBlanc 1:1 mit China Martini (?) gemischt werden soll.
Ich bilde mir ein, vor längerer Zeit mal gelesen zu haben, dass als Ersatz Cocchi American genommen wird. Was stimmt denn nun?

MfG
 
was stimmt weiß ich nicht (vermutlich weiß das eh niemand), mein Lieblings- Vesper ist jedenfalls der nach dem Rezept aus dem Mr. Boston Official Bartender's Guide (Seite 116):

9 cl Gin
3 cl Vodka
1,5 cl Cocchi Americano

Garnitur: große Zitronenzeste

Schon seit längerem mein Lieblings- Martini :)
 
Die "Originalrezeptur" des Vesper kann man ja bei Ian Fleming nachlesen, oder auch im Wikipedia-ARtikel. Die Passage zum Ersetzen ist allerdings schon älter (im übrigen nicht von mir), da gab es Cocchi Americano noch gar nicht auf dem deutschen Markt. Wer es ausprobiert hat, kanns ja mal ändern!
 
China Martini ist ein Kräuter-/Bitterlikör mit China-Calisaya-Rinde, Alpenkräutern und Zitrusfrüchten von Martini, der mit 25% daherkommt. So wird er in diversen Onlineshops angeboten, ist aber auf der Seite von Bacardi nicht zu finden.

In Flemings Originalroman sagt Bond bei der Vesper-Martini-Bestellung dazu, dass man jetzt keine Haarspalterei betreiben soll. ;)


 
OK. Vielen Dank! Ausprobieren werde ich es sicher in nächster Zeit. Aber ich kann halt aufgrund meines Alters nicht sagen, ob es dem Original entspricht.

MfG
 
In Flemings Originalroman sagt Bond bei der Vesper-Martini-Bestellung dazu, dass man jetzt keine Haarspalterei betreiben soll. ;)

Dabei ist doch gerade seine detaillierte Bestellung im Grunde nichts als augenzwinkernde Haarspalterei in Reinstform!
 
Ein Fall für triobar.
Kam bei ihm in den Genuss, einen orginalen Vesper zu trinken.
Damals sagte er auch, dass er dran ist das Trinkerlebnis nahezu orginaltreu mit erschwinglichen, heutigen Zutaten zu erzeugen.
 
Darauf wäre ich auch gespannt. Ich erinnere mich noch dunkel an einen Gelehrtenstreit zwischen ihm und einem hier bestens bekannten Hamburger Gastronomen ;-) vor geraumer Zeit, finde es aber gerade nicht wieder ...
 
Das Ergebnis würde mich sehr interessieren. Wenn das Rezept von dem Kina Lillet 1986 (Wikipedia) geändert wurde, dürfte es für viele hier sicher ziemlich schwierig sein, es mit dem Originalen Drink zu vergleichen. Oder gibt es hier in dem Forum so viele 66er (und aufwärts) Jahrgänge?

MfG
 
Glaubt man den zahlreichen Einträgen über Cocchi Americano in Blogs (z.B. ), so macht dieser nicht nur einen hervorragenden, sondern auch authentischen Vesper.

Wobei: als Begleitung zu einer eine Portraitsendung über Ian Fleming in Arte schmeckt er noch besser. 8)
 
Danke für den Link! Ich hab inzwischen rausgefunden, wo ich gehört habe, dass jetzt Cocchi Americano verwendet wird: beim allseits bekannten Cocktailpodcast.

MfG
 
Bei einer Cocktailparty machten wir kürzlich übrigens zwei Vesper: einen geschüttelt und einen gerührt, jeweils mit doppelt gefrosteten 3x3x3-Eiswürfeln.

6cl Tanqueray 47,3
2cl Ketel One
1cl Cocchi Americano
mit Zitronenschale abspritzen

Das Ergebnis: der gerührte war gegenüber dem geschüttelten wesentlich intensiver und interessanter, die Bitternote des Cocchi Americano kam auch viel besser durch. Der geschüttelte schmeckte durch das mehr an Schmelzwasser zwar weicher, aber gegenüber dem gerührten doch recht verdünnt.
Dies wurde auch von den anwesenden Gästen so bestätigt.
 
Willst du damit etwa sagen, dass James Bond ein Weichei ist und nur verwässerte Drinks trinkt???
Aber im Ernst: danke für den Bericht :)

MfG
 
Ja, nur kalt sollte er schon werden.
Aber ob man so kurz shaken kann, dass der Drink bei gleich wenig Schmelzwasser gleich kalt ist als wie beim rühren, würde mich wundern.
 
Geschichtlich würde mich noch interessieren, ob der Vesper von Ian Fleming in seinem Buch kreiert wurde, oder ob er ihn übernommen hat.
Weiß das jemand?

MfG
 
Soviel ich weiß ersteres, vgl. Vesper (Cocktail) in der Wikipedia.

Deshalb halte ich den Drink im Grunde für ein literarisches Produkt. Man vergegenwärtige sich: Anfang der 50er Jahre, als Fleming "Casino Royale" schrieb, bestand ein anständiger Dry Martini aus Gin und Vermouth und sonst nichts, und wurde selbstverständlich gerührt und in einer Cocktailschale serviert. Wodka begann sich erst langsam, befeuert durch große Werbekampagnen der Firma Heublein für die neu erworbene Marke Smirnoff in den USA, durchzusetzen, die Martinis hatte er noch nicht erobert. Man stritt höchstens über das richtige Mischungsverhältnis, welches sich seit der Jahrhundertwende stark zugunsten des Gins verschoben hatte. Dass Bond nun einen "Dry Martini" (den Namen "Vesper" erfindet er ohnehin erst später) bestellt und "seine" detaillierte Rezeptur prompt mitliefert, persifliert zunächst einmal die übermäßige Pingeligkeit, die schon damals vielen Martini-Trinkern nachgesagt wurde:

"We may understand how cults form with the Martini as with all arts, how rituals develop, how superstitious and even sorcerous beliefs and practices betray a faith that is passionate and pure but runs easily into fanaticism. But though we understand these matters we must not be lenient toward them for they divide fellowship."

Doch Bond geht noch weiter, er schmeißt auch die damals wie heute gültige Grundregel jedes anständigen Barkeepers über den Haufen, Gin und Wodka nicht in einem Drink zu verwenden, verlangt neben britischen Gordon's Gin einen französischen Lillet und amerikanischen Wodka, man ist ja schließlich kosmopolitisch und weltgewandt!, lässt das Ganze entgegen jeder Gepflogenheit schütteln und - wenn schon exzentrisch, dann richtig! - in einer Champagnerflöte servieren. Das Ganze ist für den zeitgenössischen Leser eine Mischung aus gönnerhafter Attitüde und der Exzentrik des aufstrebenden Geheimagenten, eine Drink gewordene Charakteristik der Romanfigur James Bond. Ein literarisches Produkt also, geschrieben für das Buch - kein beliebter Cocktail, der zufällig darin vorkommt. Ich bin nicht mal sicher, ob Fleming den Drink tatsächlich ausprobiert hatte, bevor er ihn niederschrieb. Man sagt, er habe selbst Wodka-Gin-Martinis konsumiert. Ob es stimmt? Sicher bin ich jedenfalls, dass der "Vesper" ohne den Bond-Kult und die späteren Verfilmungen mit dem Running Gag "shaken, not stirred" keine größere Beachtung gefunden hätte.
 
Bevor ich hier nun mangomix' wirklich tolles Posting gelesen habe, habe ich mir einen vesper zubereitet, der wohl alle "Fehler" dieses Drinks außen vor lässt, die Charakteristik (Gin + Quinquina) aber betont.
Konkret:
6 cl London No.1 Original Blue Gin
1 cl Kina l'Avion d'Or
1 dash Bitter Truth Orange Bitters
gerührt, Martiniglas, Zitronenzeste

Im Grunde also nichts anders als ein klassicher Martini, die Kombination aus Gin und Quinquina hat aber schon einen ganz speziellen Reiz. Und das zu etablieren, dafür sollten wir Ian Fleming dankbar sein. 8)

ps: Die Farbe dieses Drinks ist außergewöhnlich schön.
 

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