Craft Beer (Bier)

MJM

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Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass es keinen eigenen Thread für C**** Beer gibt! (Laut Mike soll man ja das böse C-Wort nicht mehr verwenden... ;) )
Deswegen möchte ich hier meine Erfahrungen mit Bieren von kleinen neuen Brauereien teilen. Außerdem interessiert es mich natürlich was ihr von diesen Bieren haltet und ob ihr Geheimtipps habt?

Den Anfang macht ein kurzer Bericht über die Brooklyn Brewery.
 

grgraf

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Hat zwar nicht das böse C-Wort im Namen, aber der Biertest-Thread von Stout geht vielleicht in die Richtung, die dir vorschwebt? http://www.cocktaildreams.de/smf/index.php?topic=8629.msg171122#msg171122

Ich bin gespannt auf deine Berichte! :)

 

Latituder

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Ich hab zwar keine großen Erfahrungen mit diesen "neumodischen" Craft-Bieren, beschäftige mich aber biertechnisch seit geraumer Zeit mit Bieren aus Beligen, hauptsächlich Trappistenbieren. Trappistenbiere sind von Trappistenmönchen (meist) in Belgien gebraute Biere, die in relativ geringen Mengen produziert werden. Der aus dem Verkauf von "richtigen" Trappistenbieren resultierende Gewinn geht übrigens an gemeinnützige Zwecke, bzw. verfolgen die Mönche keine Gewinnabsicht. Ich zitiere hier mal eingangs einen Beitrag von mir aus einem anderen Forum:

"Trappistenbiere weisen eine hohe Unterschiedlichkeit im Geschmack nach Abtei und Typ auf und können somit von Kakao bis Salbei so ziemlich alle Aromen beinhalten. Aufgrund dieser Eigenschaft bin ich überzeugt, dass sie auch dem ein oder anderen Whiskygenießer gefallen könnten. Zudem sind sie preislich in der Kategorie Bier zwar in der Oberklasse angesiedelt (1,50€-2,50€ pro 0,33l), für den gemeinen Whiskytrinker jedoch als Schnäppchen zu betrachten. Diese Biere haben nichts mit Pils oder Lager zu tun, sondern spielen in einer ganz anderen Kategorie.
Ich empfehle somit bei Gelegenheit (vielleicht bei der nächsten Belgiendurchfahrt bzw. beim Aufenthalt nahe Grenze) mal einen Kasten verschiedener Gebräue zusammenzustellen. Für den Preis einer Flasche Whiskys erhält man einen tollen Eindruck in eine etwas andere Genusswelt. Die Erhältlichkeit variiert von "in jedem Supermarkt zu haben" bis "unerträglich schwierig" (Westvleteren). Vielleicht ist das ein oder andere Bier auch in Deutschland zu haben, ansonsten bietet sich natürlich das Internet an.

Interessant ist ebenfalls, dass man, anders als bei Whisky, die Biere wie Wein in der Flasche weiterreifen lassen kann (je nach Typ unterschiedlich sinnvoll)). Somit kann man sich für einen relativ geringen Preis einen netten Bierkeller anlegen mit unterschiedlichen Jahrgängen etc. (es gibt ja übersichtlich viele brauende Trappistenabteien).

Persönlich begeistert bin ich vom Rochefort 10, was mit einer solch enormen Wucht daherkommt, dass es einem beim Antrunk wie bei einem Laphroaig erstmal die Sinne betäubt. Kein Vergleich mit irgendeiner anderen Biersorte.

Jedem, der noch keine Erfahrungen mit Trappistenbieren hat, rate ich also auch dieses Gefilde zu erkunden und von jedem erfahrenen Trappistenbiertrinker würde ich gerne eine Einschätzung der Brauereikünste der Trappisten lesen."

Ergänzend dazu ist mittlerweile zu sagen, dass es Chimay in jedem Trinkgut gibt. Hier ist besonders das dunkeblonde Triple und das Chimay bleue stark zu empfehlen. Diese sind auch in der 0,75l-Flasche mit Korken erhältlich (Preis in etwa 3,50 fürs Triple und 6,50 fürs blaue). Chimay bietet einen relativ guten Einblick in die verschiedenen Sorten Trappistenbiere. Der Alkoholgehalt der Abfüllung bewegt sich je nach Sorte zwischen normalen 5% und starkbiertypischen 11%. Wer von alkoholstarken Bieren bisher abgeschreckt wurde durch bestimmte Negativbeispiele, sollte sich die Gelegenheit trotzdem nicht entgehen lassen und mal ein starkes Trappistenbier probieren. Der Alkohol ist wirklich sehr gut eingebunden und erzeugt in der Gesamtkomposition eine nicht anders zu erreichende Intensität. Die Geschmacksunterschiede zwischen den verschiedenen Typen sind, wie bereits oben beschrieben, ziemlich groß. Es reicht vom einfachen, süffigen Trinkbier bis zum "Bordeaux-Ersatzbier", welches degustiert werden will. Bei Gelegenheit kann man dann im Trinkgut auch häufiger mal das Blanche de Namur abräumen, welches ein sehr leckeres Weißbier aus Belgien ist.

 

MJM

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Hi Latituder,

Danke für deine Infos über Trappistenbiere! Ich habe im Moment das Rochefort 6 zu Hause und werde auch noch einen Artikel über belgische Biere schreiben.

Was mich etwas misstrauisch macht ist, dass sehr oft Gewürze oder ähnliches zugegeben werden. Korrigiere mich bitte, falls ich mich hier irre. Irgendwie bin ich als Franke dann doch noch vom Reinheitsgebot beeinflusst... :p
 

Latituder

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Was mich etwas misstrauisch macht ist, dass sehr oft Gewürze oder ähnliches zugegeben werden. Korrigiere mich bitte, falls ich mich hier irre. Irgendwie bin ich als Franke dann doch noch vom Reinheitsgebot beeinflusst... :p

Ich kann dein Misstrauen durchaus verstehen, sehe das aber ähnlich wie Microboy. Bei den Trappistenbieren gibt es zumindest keine Regulation, die mir bekannt wäre, die vorschreibt, welche Inhaltsstoffe ausschließlich verwendet werden dürfen. So wäre es, nach meinem bescheidenen Kenntnisstand, zumindest durchaus möglich, dass den Trappistenbieren in verschiedenen Braustadien Zusätze hinzugefügt werden. Da die Rezepte teilweise sehr alt sind (Westmalle zumindest 1832), kann aber davon ausgegangen werden, dass keine absolut exotischen Zutaten dem Bier hinzugefügt werden. Prinzipiell wird die Geschmacks- und Sortenvielfalt der Biere durch mehrfache Gärungen, Mälzungen und etliche Hefesorten (mit verschiedene Alkoholtoleranzen) erreicht. Dem Orval wird jedoch zum Beispiel in zwei verschiedenen Braustadien flüssiger Kandiszucker hinzugefügt, um den Hefen zusätzliche Nahrung für die Gärung zu geben (Quelle: Wikipedia). Zucker zur Gärung (speziell Flaschengärung) hinzuzufügen wird wahrscheinlich bei einigen Trappistenbieren eine Methode sein. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Orval diesbezüglich keine Ausnahme bildet, sondern dass so manche Brauerei, wie in Belgien üblich, mit diversen Zusätzen arbeitet. Dadurch wird aber, wie oben erwähnt, nicht der Hauptgeschmack des Biers beeinflusst und es entsteht ein durchaus authentisches Produkt, welches auch zweifelsfrei mit den typischen Biernoten in ihren Ausprägungen zu glänzen weiß. Es ist halt nur nicht unbedingt nach dem klassischen deutschen/bayrischen Reinheitsgebot gebraut. Bei den Abteibieren und speziell bei den Trappistenbieren ist man sich seiner Tradition durchaus besonders bewusst und stellt ein authentisches traditionelles Produkt her, welches eben typisch für die Region ist. Diese typischen Braumethoden haben aber vielleicht eine ebenso lange Tradition wie die deutschen "reinen" Brauereien und verdienen es nicht nur dadurch, sondern vor allem für den exzellenten Geschmack probiert und genossen zu werden.

Ich verstehe also durchaus das Bedenken, meine aber, dass andere Regionen eben andere Brauereimethoden hervorgebracht haben, wobei das Brauen nach dem deutschen Reinheitsgebot und die daraus resultierende Definition von Bier eben eine traditionell auf Deutschland (und andere Teile) beschränkte Tradition ist, die nicht unbedingt immer die besten Endprodukte hervorbringt.

 

grgraf

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Anmerkung dazu: Auch in Deutschland gibt es traditionelle Bierstile, die vom "Reinheitsgebot" (oder besser "Biergesetz") abweichen. Z.B. Leipziger Gose oder Berliner Weisse. Diese dürfen nur per Sondergenehmigung als "Bier" in den Verkehr gebracht werden.

Danke für die interessanten Infos, Latituder. Ich hab noch ein Westmalle im Keller. Das mach ich jetzt auf. ;D
 

dadid123

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Im neuen Cocktailian 3 "BIER & CRAFT BIER" wird ein, meines Erachtens guter, Vorschlag für ein neues, "ZEITGEMÄSSES REINHEITSGEBOT OHNE PATHOS" gemacht. Für alle bierinteressierten Trinker kann ich diesen Lesestoff wärmstens empfehlen. Während ich diese Zeilen schreibe trinke ich gerade ein kaltes Grimbergen Optimo Bruno. Lecker!
 

MJM

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Echt vielen Dank für die ganzen Infos!

Dann schränkst du dich aber unnötig ein. Nix mehr mit Pumpkin Ale oder Coffee Stout …

Keine Sorge ich schränke mich nicht ein. Bisher habe ich schon mehrere Kirschbiere sowie zwei Pumpkin Ales probiert.

Außerdem hatte ich vorgestern das Camba Bavaria Coffee Porter.

Camba Bavaria Coffee Porter:
Alkohol: 5,4%
Stammwürze: 13,5%
Farbe: dunkles braun, fast schwarz, brauner Schaum
Geruch: Malz, Gewürze, verbranntes Karamell
Geschmack: bitter, aber anders als IPAs, Röstaromen eventuell Kaffee, ein Hauch Rauch

Der Kaffee war wenn dann nur im Hintergrund zu erahnen. Insgesamt war das Bier gut trinkbar, hat aber nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Ich stehe glaube ich eher auf fruchtige IPAs anstatt auf die dunklen Biere.
 

grgraf

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Im neuen Cocktailian 3 "BIER & CRAFT BIER" wird ein, meines Erachtens guter, Vorschlag für ein neues, "ZEITGEMÄSSES REINHEITSGEBOT OHNE PATHOS" gemacht. Für alle bierinteressierten Trinker kann ich diesen Lesestoff wärmstens empfehlen.
Das "Reinheitsgebot" eignet sich bestens als Streitthema ;D. Es gibt viele Kritiker. Der Autor des Cocktailian-Artikel führt ein paar Kritikpunkte an. Ebenso z.B. der Autor dieses Artikels. Schon etwas älter aber immer noch interessanter Lesestoff, wie ich finde.
 

Hues Lee

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Bin auch ein sehr großer Fan der Schönramer Brauerei. Hab mir gleich mal ein Pilsgen gegönnt ;D. Leider gibt es das Grünhopfenpils bei uns nicht immer. Das Bayrisch Pale Ale hatte ich allerdings ganz anders in Erinnerung. Ich fand das ausgesprochen fruchtig, eher fruchtiger, als andere Pale Ales. Wahnsinnig viel Grapefruit und Orange, generell Zitrusfrüchte. Muss ich wohl demnächst nochmal probieren. Ansonsten sehr schöner Blog
 

MJM

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In Mittelfranken gibt es Schönramer so gut wie gar nicht, ich habe mir die Biere online bestellt.

Ich habe mir etwas mehr vom Bayrisch Pale Ale erwartet, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack. Meine Freunde und ich haben das Bier auch in einem großen Tasting verkostet, da kann die eine oder andere Nuance vielleicht unter gehen.

Danke! Freut mich, dass der Blog dir gefällt! :)
 

Angrist

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zwar etwas Thread Necromancing,

was ist denn Online eure beste/günstigste Quelle für Craft Biere?

und was könnt ihr als Einstieg so empfehlen an Sachen die ein gutes Preis/Leistungsverhältnis haben ?
 

Drambuster

aktives Mitglied
Tja. Craft Beer ist ja bißchen wie Gin, man schaut sich gar nicht mehr alle neuen Produkte an, weil gesättigt. Crew Republic ist recht günstig und inzwischen in Getränkemärkten erhältlich, überzeugt mich aber nicht. Die Braufactum Produkte, obwohl inzwischen von Radeberger vertrieben, sind hingegen verdammt gut - günstig geht anders.

Einer der für mich überzeugendsten Newcomer der letzten Zeit war Kuehn Kunz Rosen. Und noch dazu ganz lokal, wenn auch von "dribbe" (von der anderen Rheinseite).

Für Interessierte aus dem Rhein-Main-Gebiet einen Besuch wert (Schleichwerbung, weil Kumpel von mir): Bierboutique Ølwechsel.
 

Angrist

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hier in der Provinz ist da leider noch nie was in den Supermärkten aufgetaucht und da ein Bier eben auch gleich weg ist, habe ich bisher auch noch nie groß bestellt.
Hatte gehofft, das es inzwischen mal einen Laden gibt, der nicht, nur weil craft draufsteht XX% Rendite erreichen will und auch online vertreibt.

Craft beer hat sich ja leider bei uns nicht so zum Mainstream entwickelt, wie teils in anderen Ländern, so kommt es mir zumindest vor.
Hatte ja gehofft, dass die ein oder andere große Brauerei auch mal in das ganze Geschäft einsteigt und mal vernünftige IPAS und Stouts neben die unzähligen Pils, Weizen, Lager etc stellt.
Und das eben auch mal zu einem guten Preis. Mit 2,50 pro 0,33l Flasche gewinnt man nunmal keine neue Kundschaft.
 

Milchplus

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hier in der Provinz ist da leider noch nie was in den Supermärkten aufgetaucht und da ein Bier eben auch gleich weg ist, habe ich bisher auch noch nie groß bestellt.
Hatte gehofft, das es inzwischen mal einen Laden gibt, der nicht, nur weil craft draufsteht XX% Rendite erreichen will und auch online vertreibt.
Und das eben auch mal zu einem guten Preis. Mit 2,50 pro 0,33l Flasche gewinnt man nunmal keine neue Kundschaft.
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2,50 Euro auf 0,33l gehören bei Craft Beer aber tatsächlich noch eher zum Einstiegspreis und sind oft nur bei größeren Produzenten möglich. Einige Mikrobrauereien müssten vermutlich ca. 8 Euro pro Flasche nehmen, damit sich das rechnet. Ist eben mehr Hobby als Beruf.

Gerade kräftige IPAs oder Imperial Stouts trinkt man eben auch eher wie Wein als wie (billiges) Bier, nicht als Durstlöscher, sondern Schluck für Schluck über längere Zeit. Qualität kostet, egal in welcher Getränkekategorie. Bei den kleinen Brauereien ist die Nachfrage gerade meist größer als das Angebot, über neue Kundschaft muss man sich nicht beklagen. Weine unbekannter Winzer wirst Du im Übrigen auch nicht im Supermarkt finden ...


Hatte ja gehofft, dass die ein oder andere große Brauerei auch mal in das ganze Geschäft einsteigt und mal vernünftige IPAS und Stouts neben die unzähligen Pils, Weizen, Lager etc stellt.
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Die großen Brauerein sind doch längst da. Köstritzer oder Beck's haben ihre eigenen Ales auf den Markt gebracht und andere schieben ihre eigene Craftmarke an (Bitburger mit Craftwerk oder Radeberger mit Braufactum).


Craft beer hat sich ja leider bei uns nicht so zum Mainstream entwickelt, wie teils in anderen Ländern, so kommt es mir zumindest vor.
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Die Szene ist immer noch jung und klein und hat sich noch nicht mal in den Großstädten flächendeckend durchgesetzt. Muss sie auch gar nicht. In den USA läuft diese Entwicklung bereits immerhin seit den 80er Jahren (!). Wenn man in Deutschland einfach gutes Bier sucht, gibt es ja durchaus gute Produkte, die nicht betont "Craft" sind. Ob Weizen (Schneider) oder Pils (Schönramer) - die Produkte liegen preislich kaum über der Massenware. Interessant könnte für Dich auch die Störtebeker-Brauerei sein, die selbst hochprozentige Biere noch zu sehr fairen Preisen anbietet und bei sämtlichen Stilen solide Einstiegsprodukte bietet.
 

Angrist

Neues Mitglied
Diese Preise sind aber doch auch das Produkt dessen, das man bei Craft auch größere Gewinnmargen abgreifen will, schliesslich gibt es auch genug Hausbrauereien in Franken, die leckere Biere für die eigenen Wirtschaft herstellen und da diese in der Wirtschaft 3,x€ für den halben Liter kosten, können die Herstellungskosten doch nicht so viel höher sein?

Bzw wenn es kleinere Craft Bier Macher gibt, die 2,5€ verlangen, und Bitburger und Radeberger, das ebenfalls verlangen, kann man sich denken wie hoch der Gewinnanteil bei letzteren ist.

Und wenn das Stout in der Herstellung das doppelte kostet, wäre ich ja auch bereit für den Liter 4€ zu zahlen, statt 1,80-2,20 bei guten kleinen Regionalbrauereien, nur die Preise die momentan aufgerufen werden, sind doch etwas happig finde ich.


Gerade wenn man sich Braufactum und den Konzern dahinter anschaut, kann man quasi davon ausgehen, das an einer Flasche Craftbeer mehr Gewinn gemacht wird, als an einem Sixpack normalen Bier.

@Milchplus, das das mit Craft bei den großen schon so weit voran war, wusste ich dann doch nicht, tauchen wohl nur in den größeren Städten in den Märkten auf

EDIT:
Was ist von Crew Republic zu halten
ca2,10€ für 0,33l Stout ist doch recht gut (und keine Versandkosten, was es ganz nice macht)

das sind Preise, damit kann man für diese Biersorte auch mal Werbung machen ;)
 

Milchplus

Neues Mitglied

Diese Preise sind aber doch auch das Produkt dessen, das man bei Craft auch größere Gewinnmargen abgreifen will, schliesslich gibt es auch genug Hausbrauereien in Franken, die leckere Biere für die eigenen Wirtschaft herstellen und da diese in der Wirtschaft 3,x€ für den halben Liter kosten, können die Herstellungskosten doch nicht so viel höher sein?

Bzw wenn es kleinere Craft Bier Macher gibt, die 2,5€ verlangen, und Bitburger und Radeberger, das ebenfalls verlangen, kann man sich denken wie hoch der Gewinnanteil bei letzteren ist.
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Bei den ganz großen Brauereien stimme ich Dir zu, da ist sicher Einiges an Marge drauf. Das ist ja nicht weiter verwerflich. Wenn die Produkte gut genug sind, werden sie gekauft. Wenn nicht, dann nicht.


Ich glaube aber kaum, dass sich die traditionellen Hausbrauereien wirklich mit den kleinen (!) Craftbrauereien vergleichen lassen. Die Traditionsbrauereien, die tatsächlich "für die eigene Wirtschaft" herstellen, haben ganz andere Grundlagen (sind vor Ort etabliert, haben verlässliche Gästezahlen, müssen sich nicht mehr irgendwo platzieren etc.). Ich würde sogar behaupten, dass deren Verkaufszahlen teilweise weit über denen der kleinen Crafthersteller liegen.


Aber vor allem: Es sind traditionell eben häufig wesentlich einfacher strukturierte Biere. Ein Weißbier ist zum Beispiel relativ einfach gebraut. Für ein IPA habe ich einen ganz anderen Wareneinsatz (Hopfenstopfen etc.), muss mir eventuell Zutaten in Kleinstmengen beschaffen, die in Deutschland nicht gut verfügbar sind. Von dem Geld, das in die Entwicklung der Produkte gesteckt wird, will ich gar nicht anfangen. Wer seit 150 Jahren das gleiche Kellerbier braut, muss eben nicht in Innovation investieren (Ungewöhnliche Fässer kaufen, neue Fermentationsmethoden ausprobieren ...).


Ein Kleinstbrauer hat außerdem nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine eigene Brauerei im Keller einrichten (was nicht billig ist, wenn man die deutschen Auflagen erfüllen möchte, um das Zeug auch verkehrsfähig zu machen) oder als Vagabund-Brauer bei einer Brauerei "auf Rezept" brauen zu lassen. Auch das ist sicher nicht preiswert, macht aber vor allem abhängig. Sprich: Ich muss erst mal eine ganze Abfüllung vorfinanzieren und dann warten, bis die abverkauft ist, um überhaupt in die nächste Abfüllung investieren zu können.


Versteh mich nicht falsch: Ich halte viele momentan erhältliche Produkte für überteuert (dazu zählen mit Sicherheit nicht Biere, die 2,50/0,33 kosten). Das betrifft zu einem großen Teil aber amerikanische Produkte, die in Kleinstmengen importiert werden. In Belgien sieht man, wie eine spannende nationale Bierszene aussehen kann, die gesellschaftlich etabliert ist. Und da stehen in jedem Supermarkt die Doubles und Tripels für 3 Euro und mehr pro 0,33-Flasche.


Um zum Schluss zu kommen: Wie so oft beim Genuss sind Zahlen ziemlich belanglos. Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, möchte man bestimmte Erlebnisse nicht mehr missen und macht eben bei der Menge oder in anderen Lebensbereichen Zugeständnisse. Wer einmal Booker's hatte, wird eben mit Jim Beam nicht mehr so richtig glücklich. Und da wir gerade bei dem Beispiel sind: Booker's gehört zu Beam - na und? Große Unternehmen können durchaus tolle Produkte herstellen. Auch wenn sie manchmal eine andere Marke auf's Etikett kritzeln, um das Nerd-Herz nicht zu verschrecken.


Was ist von Crew Republic zu halten
ca2,10€ für 0,33l Stout ist doch recht gut (und keine Versandkosten, was es ganz nice macht)
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Im Gegensatz zu Drambuster, mag ich die Crew Republic-Produkte durchweg gerne. Probier Dich mal durch, dann kommt die Bereitschaft, Geld für gutes Bier auszugeben von ganz allein. Der Rest schmeckt nämlich irgendwann nicht mehr ;)
 

Hues Lee

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Kann ich so eigentlich überall zustimmen. Was aber nicht stimmt ist, dass ein IPA aufwändiger ist, als andere Biere. Das Gegenteil ist der Fall. Und das bisschen Hopfen macht preislich praktisch nichts aus. Aber natürlich ist es so, dass der Preis solange gerechtfertig ist, wie das Bier gekauft wird. Ich brauche neben Tegernseher, Riegele, Schneider und Schönramer Biere eigentlich nichts. Aber es gibt eben Leute, die Abwechslung brauchen. Und die bezahlen dann die Preise.
 

wizzard

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Hmm, bei einer Verkostung in der Nähe meinte der Geschäftsführer, dass der Hopfen bei weitem der teuerste Posten wäre. Woher hast Du die Angaben, dass der Hopfen fast nichts ausmacht, Hues Lee?

Laut diesem Artikel könnte sich der Hopfenpreis auch noch zuspitzen, gerade Aromahopfen stammt ja häufig aus den USA.
 

Angrist

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Kann ich so eigentlich überall zustimmen. Was aber nicht stimmt ist, dass ein IPA aufwändiger ist, als andere Biere. Das Gegenteil ist der Fall. Und das bisschen Hopfen macht preislich praktisch nichts aus. Aber natürlich ist es so, dass der Preis solange gerechtfertig ist, wie das Bier gekauft wird. Ich brauche neben Tegernseher, Riegele, Schneider und Schönramer Biere eigentlich nichts. Aber es gibt eben Leute, die Abwechslung brauchen. Und die bezahlen dann die Preise.

die Brauereien die du da nennst, haben ja auch Stouts, IPAs etc im Angebot,
ob man es nun craft oder nicht nennt ist ja egal.
schön für dich wenn du sowas in lokalen Getränkeläden findest, bei mir leider nicht, deswegen hab ich eben mal gefragt, wo online die preisgünstigste Methode ist sowas zu bestellen.

Ps: schon alleine das zb crewrepublic keine Versandkosten erhebt, zeigt doch, dass bei den Preis genug hängen bleibt ;)
Will ich den Brauereien ja gar nicht neiden, finde es nur schade, dass sich dadurch diese Biere in Deutschland weit langsamer verbreiten bzw die alteingesessenen trägen Betriebe nicht etwas unter Druck geraten, sowie eben auch viele Bars unter Druck gerieten, als vor Jahren die Cocktailkultur langsam Fahrt aufnahm

@wizzard
die Aussage des Geschäftsführers mag stimmen, aber die Gesamtaussage mag trotzdem falsch sein.
Der Hopfen ist zwar eventuell der teuerste Bestandteil des Bieres, was aber unterschlagen wird ist das die Materialkosten den kleineren Teil ausmachen, Personal, Gebäude, Vertrieb, Marketing machen da einfach einen viel größeren Anteil aus.
 

Hues Lee

Neues Mitglied
Also generell muss man zwischen "normalen" und stark gehopften Bieren unterscheiden. Wenn man sich den Biermarkt in Deutschland in den letzten Jahrzehnten anguckt, dann fiel ein Großteil der Produktion auf Pils, Weißbier, Helles, Exportbiere und hin und wieder ein paar Spezialitäten wie Bockbiere, Schwarzbiere, Märzen etc. Bei diesen Bieren beschränken sich die Bittereinheiten auf 10 bis maximal 40 BE. Dafür benötigt man so gut wie keinen Hopfen, wenns hochkommt 100 g pro Hektoliter. Das macht dann circa 1 Cent pro Liter aus und damit weniger, als für den Kronenkorken draufgeht. Die jahrelange Überproduktion von Hopfen hat ihren Teil zu den niedrigen Preisen beigetragen und das gilt für die weiterverbreiteten Hopfensorten immer noch.

Im Zuge des Craftbiertrends und der starkgehopften Biere hat sich das natürlich gewandelt. Man zahlt jetzt teilweise 50, 60 Euro pro Kilo Aromahopfen, wenns speziell sein soll, einfach weil in den letzten zwei, drei Jahren ein ungeheurer Hype ausgebrochen ist. Dann kommen noch nicht ganz unerhebliche Frachtkosten dazu. Und dann gibt es eben die Leute die unfassbare Mengen Hopfen (vll 12 kg pro hl) in ihr Bier werfen, einfach um mit den höchsten BE prahlen zu können auch wenn es dem Genuss eher abträglich ist. Aber die Standard-IPAs haben so circa ein Kilo hopfen pro hl. Das macht dann 20 Cent pro 0,33 l-Flasche aus. Der Aufwand dafür hält sich auch in Grenzen, das Stopfen ist ein technologisch sehr einfacher Prozess.
Wenn ich mir die Zahlen so ansehe, dann sind Preise zwischen 1 und 1,5 € das Maximum, was ich so bereit wäre zu bezahlen. Im Getränkemarkt oder vor Ort zahle ich das auch. Wenn ich mir die Preise jetzt beispielhaft bei Bier-deluxe.de angucke, wird mir aber schlecht. Den zweieinhalbfachen Preise würde ich niemals bezahlen. Aber wenn man sonst eben keine andere Möglichkeit hat, sieht man das vermutlich anders.
 

Angrist

Neues Mitglied
wenn die Getränkemärkte etc sowas wenigstens bestellen könnten, wäre es wohl halb so schlimm, aber die kriegen eben meist nur regionale Sachen, sowie die großen Brauereien und deren Marken rein.

 

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